Medikamentöse Therapieverfahren

 

Zur Behandlung von Brustkrebs gibt es verschiedene medikamentöse Therapieverfahren. Wichtig zu wissen ist, dass die medikamentöse Therapie in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hat, sowohl in der besseren Wirksamkeit als auch in der Abmilderung der Nebenwirkungen. Zudem haben Sie im BrustZentrum Kreis Recklinghausen die Möglichkeit, an klinischen Studien teilzunehmen, bei denen Ihnen Medikamente zur Verfügung stehen, die es noch nicht auf dem freien Markt erhältlich sind.

Die am häufigsten angewandten medikamentösen Therapieverfahren sind:

Chemotherapie:
Die Chemotherapie ist eine Behandlungsform, bei der spezielle Medikamente eingesetzt werden, die Krebszellen zerstören sowie deren Zellwachstum hemmen können. Da Chemotherapeutika im ganzen Körper wirken, können damit insbesondere auch Absiedelungen von Tumoren behandelt werden.

Eine Chemotherapie, die nach der Operation angewendet wird, nennt man adjuvante Chemotherapie. Wird sie vor der Operation angewendet, um den Tumor vor seiner Entfernung zu verkleinern, spricht man von einer neoadjuvanten Chemotherapie. Bestehen bereits Metastasen in anderen Körperregionen, die weder durch eine Operation noch mittels einer Strahlentherapie wirksam bekämpft werden können, wird die Chemotherapie angewendet, um den Verlauf der Erkrankung zu bremsen. Man spricht dann von einer palliativen Therapie, d.h. einer lindernden Chemotherapie.

Die Durchführung einer Chemotherapie richtet sich nach folgenden Kriterien:

 

Wie funktioniert eine Chemotherapie?
Die Aufgabe der bei einer Chemotherapie verwendeten Medikamente ist es, Krebszellen an der Ausbreitung zu hindern und schließlich zu zerstören. Sie wirken auf den Tumor zytotoxisch, d.h. wie ein Zellgift. Um ihr Ziel zu erreichen, greifen die Chemotherapeutika zumeist die Zellteilungsmechanismen eines Tumors an, weshalb sie auch Zytostatika, also Zellhemmer, genannt werden. Verschiedene Wirkstoffe wirken dabei auf verschiedene Phasen der Zellteilung ein. Die optimale Chemotherapie setzt sich daher aus einer Kombination mehrerer zytotoxischer Substanzen zusammen, um einen größtmöglichen Effekt zu erzielen.

 

Wie verläuft eine Chemotherapie und wie lange dauert sie?
Sie können die Medikamente entweder als Infusion oder in Form von Tabletten verabreicht bekommen. In beiden Fällen gelangen die Wirkstoffe in den Blutkreislauf, über den sie sich im ganzen Körper verteilen. So können auch Tumorzellen in Körperregionen erreicht werden, die andernfalls nicht zugänglich wären. Wo die Medikamente auf Tumorzellen treffen, greifen sie sie an und zerstören sie schließlich.

Die Behandlungsdauer einer Chemotherapie erstreckt sich normalerweise über einen Zeitraum von mehreren Monaten. Das liegt daran, dass die Medikamente nur in Zyklen verabreicht werden können, um den Körper nicht zu sehr zu belasten. Innerhalb eines Behandlungszyklus erhalten Sie an einem oder mehreren Tagen hintereinander Ihre Medikamente. Danach folgt, je nach Stärke der Wirkstoffe, eine Pause von einigen Tage oder Wochen, in einigen Fällen sogar Monaten, in der sich der Körper erholen kann. Je nachdem, wie der Tumor auf die Chemotherapie anspricht, erwarten Sie innerhalb eines halben Jahres etwa vier bis sechs Behandlungszyklen.

Auch in therapeutischer Hinsicht ist es sinnvoll, eine Chemotherapie in mehreren Zyklen durchzuführen. Da die Zellteilung nicht kontinuierlich stattfindet, kann es sein, dass sich eine Tumorzelle während einer Behandlung gerade in einer Ruhephase befindet und von den Zytostatika daher nicht entdeckt wird. Solche Zellen lassen sich dann zu einem späteren Zeitpunkt, wenn Sie wieder teilungsaktiv sind, angreifen. 

Chemotherapie als Infusion
Bei der Infusion werden die Zytostatika über eine Vene verabreicht. Da für eine Chemotherapie vergleichsweise viele Einstiche vorgenommen werden müssen, kann es jedoch – auch durch die Medikamente – zu Reizungen der Armvene kommen. Viele Patientinnen empfinden dies zudem als unangenehm. Aus diesem Grund wird für eine längere Behandlungsdauer meist ein so genanntes Port-System angelegt. Dabei wird an einer geeigneten Stelle des Körpers, etwa unterhalb des Schlüsselbeins ein dauerhafter Zugang zu einer Vene geschaffen, über den ein sehr feiner Silikonschlauch zum Herzen geführt wird. So können die Medikamente schonend in den Körper gebracht werden, ohne dass wiederholte Einstiche vorgenommenwerdenmüssen. Ein solches Port-System bedeutet für viele Patienten eine gesteigerte Lebensqualität, da sie hierdurch kaumin ihrer Beweglichkeit eingeschränkt werden.
 

Chemotherapie in Tablettenform
Anstelleeiner aufwändigen – und oft belastenden – Infusion ist es in der Chemotherapie heute auch möglich, hochwirksame Medikamente in Tablettenform zu verabreichen. Diese Therapieform hat den Vorteil, dass Sie die Medikamente zu Hause selbst einnehmen können und nicht erst in die Klinik kommen müssen. Zudem fallen mögliche Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit und Erbrechen dabei weniger stark aus. Ob eine Chemotherapie in Tablettenform für Sie in Frage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Im BrustZentrum Kreis Recklinghausen werden wir mit Ihnen die jeweiligen Vor- und Nachteile besprechen und die optimale Therapieform für Sie wählen. 

Welche Nebenwirkungen hat eine Chemotherapie?
Zytostatika greifen in erster Linie schnell wachsende Krebszellen an. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass auch andere, gesunde Zellen beschädigt werden. Das gilt vor allem für Zellen, die sich von sich aus sehr häufig vermehren, wie etwa Haarwurzeln und das blutbildende System. Da die Chemotherapie im ganzen Körper wirkt, kann es zu zahlreichen Nebenwirkungen kommen, die allerdings von Patientin zu Patientin unterschiedlich stark, gebündelt oder vereinzelt auftreten können. Mögliche Nebenwirkungen sind:

Bei jüngeren Frauen besteht die Gefahr einer dauerhaften Unfruchtbarkeit. Da die Chemotherapie unter Umständen die Reifung der Follikel in den Eierstöcken beeinträchtigt, bleibt die Menstruation aus. Das kann auch nach Beendigung der Behandlung weiter bestehen.

Die meisten Nebenwirkungen sind jedoch zeitlich begrenzt und treten nur während oder über einen bestimmten Zeitraum nach der Behandlung auf. Welche Folgen die Therapie bei Ihnen hat, hängt zudem von der individuellen Kombination der Medikamente und Anwendungsdauer ab. Wir empfehlen Ihnen jedoch, um den Körper zu unterstützen, möglichst gesund zu leben: gesunde Nahrung sowie möglichst wenig Stress und körperliche Belastung helfen Ihnen, die Chemotherapie besser zu verkraften. Sie sollten außerdem darauf achten, wenig Kontakt mit Personen zu haben, die ansteckende Krankheiten haben, da Ihre Abwehrkräfte bereits geschwächt sind.

 

Supportivtherapie
Als Supportivtherapie bezeichnet man unterstützende Therapiemaßnahmen, die dazu dienen, die Nebenwirkungen der Chemotherapie zu begrenzen. Je nach Ihrer individuellen Situation erhalten Sie daher weitere Medikamente, mit denen etwa Übelkeit und Erbrechen oder einer Immunschwäche vorgebeugt werden kann. Damit Ihr Körper auch weiterhin die wichtigen roten Blutkörperchen bildet und keine Blutarmut auftritt, kann Ihnen das Hormon Erythropoetin verabreicht werden.

Gegen Haarausfall gibt es leider keine wirksamen Medikamente. In der Regel wachsen die Haare aber etwa zwei Monate nach Ende der Therapie wieder von alleine nach. Falls Haarausfall bei Ihnen auftritt, erhalten Sie ein Rezept für Haarersatz von uns. Viele Frauen verzichten jedoch auf diese Möglichkeit und gehen „oben ohne“ oder entscheiden sich je nach Situation neu. Oft werden auch nur schlichte Tücher ((Verlinkung Frisur- und Schminktipps)) und Mützen verwendet oder sogar Bemalungen des Kopfes vorgenommen.

Bei ausgefallenen Wimpern und Augenbrauen verhält es sich zumeist ein wenig anders, da sich hierdurch der Gesichtsausdruck stark verändern kann. Wir haben Frisur- und Schminktipps für Sie gesammelt, mit denen Sie die fehlenden Gesichtshaare perfekt kaschieren können. Bitte sprechen Sie mit unseren Expertinnen darüber. Gerne bieten wir Ihnen Kurse und Hilfsmittel zu diesem Thema an.

 

Hormontherapie
Brustkrebs wächst häufig hormonabhängig. Hormone – genauer: das weibliche Geschlechtshormon Östrogen – regen die Krebszellen zum Wachstum an. Dies ist zu erwarten, wenn in den Zellen Hormonrezeptoren nachgewiesen wurden, was bei etwa zwei Dritteln aller Brustkrebspatientinnen der Fall ist. Um das Tumorwachstum zu bremsen, gilt es daher, dem Tumor das Östrogen zu entziehen. Bei der Hormontherapie erhalten Sie daher Medikamente, die entweder die Hormonrezeptoren blockieren, sogenannte Anti-Hormone, damit die Zelle Östrogen nicht mehr aufnehmen kann, oder die körpereigene Produktion von Östrogen unterdrücken. Welche Variante für Sie in Frage kommt, hängt von Ihrem Alter ab, genauer gesagt davon, ob bei Ihnen die Menopause bereits eingetreten ist.

 

Behandlung vor den Wechseljahren
Bei Frauen vor den Wechseljahren lässt sich die Produktion von Östrogenen in den Eierstöcken medikamentös ausschalten:

Neben der Ausschaltung der Eierstockfunktion gibt es verschiedene andere Möglichkeiten, die Wirkung von Östrogenen an Brustkrebszellen zu unterbinden.

 

Behandlung nach den Wechseljahren
Bei Frauen nach den Wechseljahren, bei denen die Eierstöcke ihre Funktion eingestellt haben, werden weiter Östrogene gebildet, wenn auch in geringerer Menge: im Fettgewebe, in der Muskulatur und auch in Brustkrebszellen selbst. Dies lässt sich durch sogenannte Aromatase-Hemmstoffe unterbinden. Die Aromatase ist das Enzym, das die Östrogenbildung aus Hormonvorstufen bewirkt.Aromatase-Hemmstoffe hindern dieses daran. Insbesondere eine neue Generation dieser Wirkstoffe senkt den Östrogenspiegel sehr stark ab. Sie werden täglich inTablettenform eingenommen.

Schließlich gibt es noch Hormone, die den Östrogenen auf natürliche Weise entgegenwirken: Die Gestagene (Gelbkörperhormone). Sie bewirken, dass sich sowohl die Östrogenbildung als auch die Anzahl der Östrogen-Rezeptoren verringert.

 

Nebenwirkungen der Hormontherapie
Eine Hormonbehandlung ist in der Regel, im Vergleich zu einer Chemotherapie, besser verträglich, aber auch nicht nebenwirkungsfrei. Da sie adjuvant, bei sich ansonsten gesund fühlenden Patientinnen über mehrere Jahre fortgeführt wird, fallen auch weniger schwere Nebenwirkungen ins Gewicht.

Frauen vor den Wechseljahren müssen als Folge des Östrogenentzugs oft mit typischen Wechseljahrsbeschwerden unterschiedlicher Ausprägung rechnen:

Die Ausprägung der Nebenwirkungen ist von Präparat zu Präparat und von Frau zu Frau unterschiedlich. nicht wenige Patientinnen empfinden nach einer gewissen Anpassungsphase des Körpers die Symptome als kaum belastend. Bleibt diese Anpassung aus, können betroffene Frauen gemeinsam mit ihren Ärzten einen Wechsel des Präparats überdenken. Zunächst kommen allerdings auch andere Möglichkeiten der Linderung in Frage. Gegen Muskel- und Gelenkbeschwerden wirken entzündungshemmende Medikamente, zum Beispiel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika  (beispielsweise chemische Verwandte von „Aspirin“). Allerdings sollten diese wegen möglicher Nebenwirkungen auf den Magen und das Herz-Kreislauf-System nur in Absprache mit dem Arzt und so kurz und niedrig dosiert wie möglich angewendet werden.

 

Antikörpertherapie
Ein sehr modernes – aber erfolgreiches – Verfahren zur Behandlung von Krebs ist die Antikörpertherapie. Etwa 25 bis 30 Prozent aller Brustkrebspatientinnen verfügen über eine sehr hohe Anzahl der so genannten HER2-Rezeptoren, d.h. sie sind HER2-positiv. Ein HER2-Rezeptor dient in Zellen als Andockstelle für Hormone, die das Zellwachstum anregen. Bei Patientinnen, die HER2-positiv sind, wächst der Tumor daher besonders schnell und ist sehr aggressiv, da er stark auf diese Hormone reagiert.

Diesen Patientinnen werden deshalb mittels einer wöchentlichen Infusion entsprechende Antikörper verabreicht, um das Tumorwachstum zu bremsen. Die Antikörper blockieren die HER2-Rezeptoren, sodass die Tumorzellen nicht mehr zur Zellteilung angeregt werden. Das Medikament ist sehr wirksam und verbessert die Heilungschancen für betroffene Frauen enorm.

 

Für wen eignet sich eine Antikörpertherapie?
Anhand einer Gewebeprobe, die Ihnen bei einer vorherigen Biopsie oder während der Operation entnommen wurde, kann nachgewiesen werden, ob in einem Tumor eine erhöhte Zahl HER2-Rezeptoren auftreten. Sind Sie HER2-positiv, kommt eine Antikörpertherapie für Sie in Frage. Allerdings ist die Behandlung mit Antikörpern bislang nur zugelassen – und nötig –, wenn der Tumor bereits Metastasen in anderen Körperregionen gebildet hat. Je nach Art und Grad der Metastasenbildung kann eine Antikörpertherapie in Kombination mit einer Chemotherapie durchgeführt werden.

 

Hat die Antikörpertherapie Nebenwirkungen?
Im Vergleich zu einer Chemotherapie treten bei der Antikörpertherapie nur wenige Nebenwirkungen auf. So wirken die Antikörper nur auf Tumorzellen und beschädigen dementsprechend kein gesundes Gewebe, sodass Sie keinen Haarausfall befürchten müssen. Meist kommt es lediglich zu Fieber und anderen grippeähnlichen Symptomen, die jedoch leicht zu behandeln sind. Sehr selten treten Übelkeit oder Schädigungen des Blutbildes auf.

Risikofaktoren für die Behandlung mit Antikörpern sind jedoch schwere Erkrankungen der Lunge oder des Herzens. Dann kann es zu Störungen der Atmung und der Herzfunktion kommen. Ähnliches gilt auch für Patientinnen mit Lungenmetastasen. Vor Beginn der Behandlung werden wir Sie – sofern eine Antikörpertherapie für Sie angezeigt ist – daher mittels Elektrokardiogramm (EKG) und Echokardiografie (Ultraschall) intensiv auf etwaige Vorbelastungen untersuchen.

 

Immuntherapie
Ziel der Immuntherapie ist es, das menschliche Immunsystem zu stärken, sodass es besser auf den Tumor reagieren und ihn bekämpfen kann. Bestimmte weiße Blutkörperchen (die Lymphozyten etwa dringen in Tumorzellen ein und zerstören sie, weshalb sie auch Tumorinfiltrierende-Lymphozyten (TIL) genannt werden. Bei den meisten Krebspatienten finden sich diese Lypmhozyten im Tumorgewebe. Nach der Entnahme des Tumors können ihm die TIL entnommen und im Labor weiter gezüchtet werden. Dabei werden ihnen bestimmte Proteine (z.B. Interleukine hinzugefügt, die die Immunzellen anregen und wachsamer machen. Gibt man den Patienten diese Zellen zurück, reagiert das Immunsystem zukünftig deutlich aggressiver auf die Tumorzellen und greift diese stärker an.

In der umgekehrten Variante werden nicht die Immunzellen verändert, sondern vielmehr die Tumorzellen selbst. Einzelne Tumorzellen, die dem Körper entnommen wurden, werden mit Genen kombiniert, die sie dazu veranlassen, bestimmte Interleukine zu produzieren. Wenn man diese Zellen dann zurück in den Körper gibt, reagiert das Immunsystem auf die gleiche aggressive Weise auf den Tumor, da das kranke Gewebe nun viel stärker auf sich aufmerksam macht.

Eine Immuntherapie eignet sich besonders zur Bekämpfung von Metastasen. Da die körpereigenen Immunzellen an jede Stelle des Körpers gelangen können, lässt sich Tumorgewebe so auch an unzugänglichen Orten bekämpfen. Allerdings muss die Immuntherapie heute in erster Linie noch als Ergänzung zu den bekannten medikamentösen Therapien angesehen werden, die erst dann zum Einsatz kommt, wenn herkömmliche Methoden versagen.

 
 

 

 

10. Senologietag

am 20.1.2018 im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen

Infos auf unserer neuen Website www.brustzentrum-re.de (zurzeit im Aufbau)

Unsere Mamma Care Trainerinnen bieten wieder neue Kurse an! Infos dazu finden Sie unter Über uns - Aktuelles.